Die blaue Blume
(eine Fantasiereise)

Du machst dich auf den Weg, die blaue Blume zu suchen. Du wanderst durch einen dichten Wald. Hohe, schlanke Bäume, die wie Säulen eines Domes vor dir aufragen. Ihre dichten Kronen aus Blättern wölben sich wie ein Dach über dir. Du gehst über weichen Waldboden. Das Laufen ist hier ganz anders als auf den Straßen der Stadt. Die sind so hart und steinern. Dort werden deine Füße bald müde, aber hier im Wald läufst du über Erde, Moos, Gras. Das tut deinen Füßen wohl.

Wenn du im Wald bist, nimmst du auch den Duft des Waldes wahr. Es riecht so frisch nach all den Pflanzen. Das Laufen durch den  Wald macht dir Freude. Der breite Weg endet an einem Dickicht. Ein schmaler Pfad windet sich durch das Grün. Du schlängelst dich da durch. Bald ist das dichte Grün zuende, und du stehst auf einem moosigen Pfad. Nach ein paar Schritten schon siehst du Wasser vor dir funkeln. Still und fast unbeweglich liegt es da, wie ein großes Auge. Du gehst weiter auf den See zu und stehst  bald an seinem Ufer. Dort lässt du dich auf dem weichen Gras nieder, das noch warm ist von der Sonne des Tages. Du schaust auf das Wasser. Es ist alles so ruhig. Du fühlst auch die Ruhe in dir.

Nach einer Weile des Schauens siehst du plötzlich eine Bewegung im Wasser. Die spiegelglatte Oberfläche bewegt sich. Es beginnt zu brodeln wie kochendes Wasser. Du schaust gebannt dorthin. Es steigt etwas aus der Tiefe des Wassers auf. Eine Ba_schmetterling2mit100lume, eine Blume in strahlenden Blau. Sie wächst aus dem Wasser wie ein schlanker Springbrunnen. Ihr hoher Stiel ist umgeben von zarten Blättern. Nun siehst du, wie sich die Blume ganz, ganz langsam öffnet. Die Blüte öffnet sich langsam und wie von Zauberhand. Sie hat ein tiefes Blau. Es ist wie das eingefangene Blau des Himmels über dir. Es ist eine Wunderblume, diese blaue Blume.

Wer sie einmal erblickt hat, darf sich etwas wünschen. Wünsch dir was. Und träum ein wenig weiter……von den Wundern der Schöpfung, von dem Wunder des Lebens!

(aus: Else Müller, “Wenn der Wind über die Traumwiesen weht.” Fischer Taschenbuch S. 97/98)