Inklusion ist unser Weg

Schülerinnen und Schüler der Maximilian-Kolbe-Gemeinschaftsschule staunten nicht schlecht, als sie dieser Tage  bereits vor Unterrichtsbeginn am Morgen ein Lieferfahrzeug mit der Aufschrift „Inklusion ist unser Weg“  unmittelbar vor dem Haupteingang stehen sahen. Ihre Verwunderung und die damit verbundenen Fragen nahmen zu, nachdem sie junge Menschen damit beschäftigt sahen, Rollstühle, Pylonen, holzgefertigte Wippen, Brücken und diverse andere Hindernisse auszuladen. Die Antworten erhielten im Verlaufe des Schulvormittags die Schüler/-innen der Klassenstufen 9 und 10 im Rahmen einer berufswahlvorbereitenden Orientierung von den im 3. Ausbildungsjahr befindlichen Heilerzieher/-innen, der SHG-Ausbildungseinrichtung in Saarbrücken Burbach. Sie hatten sich im Rahmen einer Projektwoche zum Ziel gesetzt, Schüler und Schülerinnen der Abschlussjahrgänge an den allgemeinbildenden Schulen im Rahmen der Berufswahlvorbereitung einerseits über das Berufsbild der Heimerziehungspflege umfassend zu informieren und sie andererseits für Menschen mit Behinderung zu sensibilisieren.

Chiara Friedsam, eine ehemalige Schülerin der Maximilian-Kolbe-Schule, hat das Projekt angeschoben, hat mit ihren Mitauszubildenden geplant und organisiert. Dabei wurde das Projekt zweigeteilt in einen theoretisch-informativen Teil und in einen praktisch-konkreten Erfahrungsbereich. Mit einer eigens entwickelten PowerPoint-Präsentation wurde zunächst ein Input geliefert, der das gesamte Spektrum der Behinderung sowie die Einsatzmöglichkeiten des Heilerziehers, die sich von der Kinderpflege in Kitas über den Reha-Einsatz bis hin zur forensischen Betreuung erstrecken, verdeutlichte. Es wurden Fragen zur Aus- und Weiterbildung beantwortet, ehe sich die Schüler und Schülerinnen nach Klassen getrennt und zeitlich gestaffelt und unter Wahrung der Corona-Regelungen in der praktischen Umsetzung durch konkrete Demonstration unter Selbstbeteiligung ein eigenes Bild  machen konnten. Denn zwischenzeitlich hatten Mitglieder der Projektgruppe in der Aula der Schule einen Rollstuhl-Parcours errichtet, den sie mit der Unterstützung der Initiative „Miteinander leben lernen“ zusammengestellt hatten.

Ganz konkret einmal aus der Perspektive von Bewegungsbehinderten im Rollstuhl und/oder Sinnesbeeinträchtigten mit Augenmaske und Ohrenschutz mussten sie sich auf die Hilfe ihrer Mitschüler einlassen, immer unterstützt und angeleitet von den SHG-Auszubildenden. Als besondere Herausforderung stellte sich dabei der Umgang mit der Situation der Mehrfachbehinderung heraus.

Die Erfahrungen, die sich am Ende des Unterrichtsvormittages eingestellt hatten, spiegelten sich in den Antworten der Beteiligten. Carlos Jacob, 10.2, erklärte auf Befragen hin:  „Mir war bisher gar nicht klar, was Heilerzieher leisten, ich habe gehörigen Respekt vor dieser Tätigkeit.“  „Für mich war wichtig zu erkennen, welche Verantwortung einerseits und welches Vertrauen andererseits dieser Beruf mit sich bringt,“ resümierte Katharina Schmidt, 10.1.

Schüler und Lehrer waren gleichermaßen sensibilisiert für das Thema Behinderung und Inklusion und ganz offensichtlich auch die gerade erst neu in der Klassenstufe 5 befindlichen Schüler und Schülerinnen. Sie nahmen aus angemessener Distanz  beim Gang in die Pausen die für sie unklaren Aktivitäten wahr und stellten neugierig Fragen. Spontan waren die Projektgestalter bereit, am Folgetag auch den Schülern und Schülerinnen der 5er Klassen ihre Arbeit in einem entsprechenden Angebot darzustellen. Hoch diszipliniert und mit großer Ernsthaftigkeit ließen sich die 11-12-Jährigen auf die Selbsterfahrungsangebote ein, zeigten sich interessiert und sensibilisiert, so dass das Thema „Behinderung“ im Unterricht vertiefend aufgegriffen wurde. „Ich habe jetzt eine Ahnung davon, was es bedeutet, im Rollstuhl zu sitzen, wie schwierig und ungewohnt der Alltag aussehen muss“, meinte Alessia Brill aus der Klasse 5.2. „Inklusion“ ist nun kein Fremdwort mehr, der Begriff und seine Bedeutung stellen vielmehr eine Herausforderung dar, vermitteln eine Botschaft.