Bild: W. Meiser

Über 100 Jugendliche begehen den Volkstrauertag in der Saarbrücker Ludwigskirche

Am vergangenen Sonntag, 17. November 2019, fand in der Saarbrücker Ludwigskirche die zentrale Gedenkfeier zum Volkstrauertag statt. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge e.V., der erstmalig von etwa 100 Jugendlichen bei der Gestaltung unterstützt wurde.

Traditionell wird am zweiten Sonntag vor Beginn der Adventszeit an die Opfer des Ersten und Zweiten Weltkrieges erinnert. Doch in diesem Jahr stand der Tag im Zeichen der Mahnung zum Frieden und die Gefahr, die von der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung ausgeht, wurde nachdrücklich in das Bewusstsein der anwesenden Gäste gerückt. Nach der Eröffnung der Gedenkstunde durch den Vorsitzenden des Landesverbandes Saar im Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge e.V. Werner Hillen, sprach Staatssekretär Christian Seel das Grußwort in Vertretung für den Ministerpräsidenten des Saarlandes Tobias Hans. Er beobachtete, dass der Hass gegen „Andersdenkende, Andersglaubende, Andersaussehende [und] Andersfühlende“ wieder aufblühe. Doch viele Jugendliche hätten dennoch aus der Geschichte gelernt und beschäftigten sich mit den Auswirkungen von Hass und Verfolgung im Nationalsozialismus und in der Gesellschaft. Dies bewiesen die Schülerinnen und Schüler der drei mitwirkenden Schulen mit ihren kreativen Beiträgen. Musikalisch wurden die Feierlichkeiten durch den Schulchor des Gymnasiums am Stefansberg in Merzig begleitet.

Vier Schülerinnen der Maximilian-Kolbe-Schulen gedachten in einem zum Teil pantomimischen, zum Teil szenischen Spiel derjenigen, die sich in Zeiten der Unmenschlichkeit den Ungerechtigkeiten zur Wehr setzten. So nahm der Namenspatron der Schule im Konzentrationslager Auschwitz den Platz eines Familienvaters im Hungerbunker ein, um diesen zu schützen. Doch das Leben Kolbes stand nicht nur im Zeichen des Widerstandes, sondern auch in der Hoffnung auf Versöhnung und im Vertrauen in die Zukunft. Am Ende glaubte Maximilian Kolbe fest an den Frieden, der entsteht, wenn die Menschen den Hass überwinden und einen Neubeginn wagen, wozu die vier Schülerinnen durch Singen des Liedes „Wo Menschen sich vergessen“ anregten.

Bild: A. Zemlin
Bild: A. Zemlin

Gedanklich unterlegt wurde die Präsentation durch Zitate Maximilian Kolbes sowie von Klavierstücken. Zudem symbolisierten drei Skulpturen einer geschlossenen und einer halb geöffneten Faust sowie zweier ineinandergreifenden Hände, die zuvor im Rahmen der Kunst-AG der Schule gefertigt wurden, den Widerstand, die Hoffnung und den Frieden.

Bild: A. Zemlin
Bild: A. Zemlin

Auch die Schülerinnen und Schüler der Willi-Graf-Realschule in Saarbrücken erinnerten an den Namensgeber ihrer Schule, der sein Leben dem Widerstand gegen die Nazi-Diktatur widmete. Ein Schüler ließ Flugblätter auf die teilnehmenden Gäste in der Ludwigskirche herabfallen, womit er im Jahr 1942 sein Leben riskiert hätte. In der heutigen Zeit schuf er damit ein Symbol der Erinnerung. Zwei Schüler und eine Schülerin stellten im Anschluss in einem Gespräch, welches einem Hörspiel ähnelte, ein Verhör des Widerständlers nach, der letztlich wegen Sabotage, Hochverrat und Feindbegünstigung zum Tode verurteilt wurde. Dieser Wortbeitrag weckte bei den Zuhörern zahlreiche Emotionen wie Empörung, Entsetzen und tiefer Trauer.

Auch die Vertreter des Geschwister Scholl Gymnasiums betonten Notwendigkeit des Widerstandes, auch in der heutigen Zeit. Sie wiesen im Besonderen auf die Verantwortlichkeit jedes Einzelnen gegenüber seinen Mitmenschen und der Welt hin. In mehreren aussagekräftigen Bildern, die von Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums stammten, veranschaulichten sie die Folgen von mangelndem Respekt und Wertschätzung gegenüber anderer Menschen sowie der Natur.

Am Ende der Veranstaltung sprach Stephan Toscani, Präsident des Saarländischen Landtages, das Totengedenken. Bundespräsident Steinmeier appellierte hierin ebenfalls an die Verantwortung aller Menschen, machte aber auch Hoffnung auf Versöhnung. Im Anschluss erfolgte die Niederlegung von Kränzen auf den Spicherer Höhen. Als einziges Bundesland begeht das Saarland den Volkstrauertag gemeinsam mit seinem Nachbarland Frankreich, um dort den gefallenen Soldaten aus Deutschland, Frankreich und den USA zu gedenken.

Im Nachgang und in einem wertenden Statement würdigte der Vorsitzende des Volksbundes  Deutscher Kriegsgräberfürsorge e.V. Saar das außergewöhnliche Engagement der teilnehmenden Schulen.

 

Die Bilder wurden uns zur Verfügung gestellt von Amélie Zemlin, Assistentin der Öffentlichkeitsarbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V./Landesverbandn Saar. Vielen Dank nochmals an dieser Stelle!